Freie
Presse 04.09.1996 "Freischütz"- Aufführung mit fünf Personen Traditionelles Marionettentheater Dombrowsky gastiert am 14.September im Neuberinhaus |
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Reichenbach: Am 14. September wird im Neuberinhaus Reichenbach das Traditionelle Marionettentheater Dombrowsky spielen. Für "Freie Presse" sprach deshalb Andreas Raithel mit Uwe Dombrwosky. Uwe Dombrowsky, wie kann man den Begriff "traditionelles Marionettentheater" kurz definieren? Wir verstehen uns in dem Sinne traditionell weil wir einmal mit historischen Figuren und Dekorationen sowie in der Spielweise unserer Vorfahren die Aufführungen gestalten und weil wir als mobiles Wandermarioettentheater zum Publikum in die Dörfer und Kleinstädte kommen und ein Repertoireangebot machen. Schöne Figuren und Dekorationen haben auch andere Marionettentheater, so z.B. die "Augsburger Puppenkiste". Was unterscheidet diese Bühnen vom traditionellen Marionettentheater? Die Unterschiede liegen in der Spielweise und den verwendeten Materialien. Traditionell sind ja auch die Stücke, die gespielt werden. Welche sind das? Das Repertoire ist umfangreich. Einige Titel: "Gräfin Cosel", "Genoveva", "Karl Stülpner", "Kunz von Kaufungen" und natürlich Bearbeitungen von Märchen und Sagen. Das Wandermarionettentheater hat sich meiner Meinung nach Verdienste bei der Bewahrung und Verbreitung lokalgeschichtlicher Begebenheiten und sächsischen Erzählgutes erworben. Wenn man vor der Marionettenbühne Dombrowsky steht, dann wird man an ein Barock- oder Rokoko-Theater erinnert. Das betrifft unsere historische Bühne, dessen Proszenium 1917 |
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mehr, ich denke da an das Salzburger Marionettentheater. Ws ist das Einmalige bei Dombrowsly? Das Besondere unserer "Freischütz"-Inszenierung liegt im Reiz der Rekonstrucktion einer Aufführungspraxis, die rund 100 Jahre zurückgeht. Unsere Inszenierung beinhaltet z.B. auch das Vorspiel aus dem Lbiretto Friedrich Kinds, das Weber auf Einspruch seiner Frau Caroline gestrichen hatte, das aber für das Verständnis der Rolle des Eremiten und der Bedeutung der weißen Rosen sehr förderlich ist. Zum anderen wird hier in der musikalischen Besetzung dem kleineren Marionettentheater und den Figuren im Gegensatz zur "großen" Opernaufführung Rechnung getragen. Die Auswahl und Bearbeitung basiert auf Webers Vorlage, wobei Kürzungen und auch Transpositionen vorgenommen wurden. Die Grundbesetzung ist ein Streichquintett, zu dem Klariette und Flöte Kolorit bringen. Welche Rolle hat die Musik im Marionettentheater unserer Urgroßeltern gespielt? Das war je nach musikalischen Vertändnis und Vermögen unterschiedlich. Stückbegleitende Musik, z.B. zur Untermalung dramatischer Szenen war üblich. Bei entsprechenden Fähigkeiten der Spieler wurde oft live musiziert oder man setzte mechanische Instrumente und später Tonträger ein. Einige Theater, wie z.B. die Apels und Apel-Böttgers aus Dresden, widmeten sich sehr stark der Aufführung von Operetten, Singspielen und Opern. Und heute? Hat die Inszenierung der "Freischütz" ncht einen erheblichen Aufwand verursacht? Das ist richtig, doch Dank der Technik ist es möglich, die musikalischen Nummern per Tonträger einzuspielen. Das ermöglicht die Oper mit fünf Personen aufzuführen. Sonst bräuchte man mindestens 20. |
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von dem Theatermaler Richard Hartmann aus Chemnitz gemalt wurde. Unsere Vorfahren wollten die Atmosphäre der prunkvollen Stadttheater für ihr Publikum in den Dorfgasthof bringen. Typisch für das traditionelle Marionettentheater ist der Kasper. Ist Kaspertheater nicht Kindertheater? Durchaus nicht. Man muß beachten, daß der Kasper im Marionettentheater ein anderer ist als der Handpuppenkasper aus dem Jahrmarktstheater mit Pritsche und Bratpfanne. Unser Marioenttenkasper schlüpft in zumeist heitere Rollen eines Stückes, integriert sich also in die dramatische Vorlage. Wird der Marioenttenkasper überhaupt gebraucht? Die gleichen Stücke auf der Menschenbühne, z.B. "Dr. Faust", kommen doch ohne ihn aus. In unserem Theater ist Kasper in |
jedem Stück dabei. Man sollte hier unsere spezifische Spielweise, das Pepertoiregastspiel, vor Augen haben. Da ist der Kasper für das Publikum eine durch das gesamte Gastspiel begleitende Figur, welche aus einzige zeitbezogenen und publikumsbezogene Äußerungen macht und besonders in den Kinderveranstaltungen zur Identifikationsfigur wird. Traditionelles Marionettentheater ist doch eigentlich Theater aus einem vergangenen Jahrhundert. Hat es dem Menschen von heute dann überhaupt noch etwas zu sagen? Theater ist Spiel für und auch mit dem Publikum, ein Gedankenaustausch sollte aufkommen. Wo Dialog entsteht, werden Fragen und Antworten in den Raum gestellt. Das ist wesentlich. Kommen wir zur Oper "Der Freischütz". Mit Marionetten gespielte Opern sind heute keine Seltenheit |
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