





schiener Dörfer, die rissigen Böden lange nicht genützter Bühnen, die Kiste mit dem Kasperl.
Die Kritik
"Was der Teufel selbst nicht kann, das stellt er durch ein Weibsbild an", meint Mephistoles gleichfalls trocken, und in ganz anderem Zusammenhang, nachdem es ihm gelang noch einmal den Dr. Faustus mit dem Bilde der schönen Helena zu ködern. Die Besucher lauschen der leisen Barockmusik und auch die Erwachsenen warten - mit offenem Mund - auf den nächsten Akt, starren gebannt auf
den rotgoldenen, flammen-gleichen Vorhang, gemalt 1917 von einem Chemnitzer Bühnenmaler. Auch die Marionetten stammen aus jener Zeit: sämtlich historisch bedeutsame Marionetten, gewiß nicht so beweglich wie unsere heutigen,doch wunderschön anzuschauen und meisterhaft geführt von den Puppenspielern, stimmlich, manuell, in jeder Hinsicht einfühlsam: der Dr. Faustus, sein Famulus, der Herzog, die Herzogin von Parma, der Mephistopheles, der Rat, der Geisterschar, die alttestamentlichen Erscheinungen.
Dieses Puppenspiel um das Motiv des Dr. Faustus,
der seine Seele dem Teufel verschreibt, welcher seinerseits ihm hinieden alle Erkenntnis und irdische Freuden zuteil werden lassen soll, wird in dieser Fassung um reizvollste Figuren von komödiantischem Charakter bereichert; da ist der erfrischend sächselnde "Hanswurst", welcher die lästigen Teufelchen "perlicke" - "perlacke" nach Belieben herbeiholen und wieder zum Teufel jagen kannn. Und wenn auch der "Hanswurst" geschwätzig ist, das Stück selbst ist es nicht.
Intelligent und fein dosiert: Witz und Ernst, deren beider zauberhaftes Zusammenspiel, ohne das Faust-Motiv zu verniedlichen, Nasale, blasierte Gelehrsamkeit, verlogene Gesellschaft führt sich selbst ad absurdum: ein aufrichtiger "Hanswurst", klug, naiv und ziemlich frech, der "gar ergötzlich und heiter das Geschehen begleitet und die Geschichte viel angenehmer zu sehen als zu lesen macht", hält ihr den Spiegel vor.
Marita Pletter